9. Unternehmertag des ZWS am 4.Oktober 2011
Norbert Walter: Staatsschulden sind Sprengsatz für Europa
Von: Andreas Nordlohne
„Die Staatsschulden bilden den Sprengsatz für Europa und den europäischen Binnenmarkt“, erklärte Prof. Dr. Norbert Walter, einer der bekanntesten Bankökonomen Deutschlands. „Eine Politik der Konsolidierung ist ohne Alternative.“ Walter sprach in der vergangenen Woche beim Unternehmertag 2011 des Zentrums der Wirtschaft im Schwalm-Eder-Kreis.
Seine Analyse stand unter dem Thema Inflation – Euro in der Krise – Rettung ohne Ende. „Selbst Experten sind uneins über die Wege aus der Krise“, beklagte Unternehmertag-Schirmherr und Landrat Frank-Martin Neupärtl. „Es gibt zu wenig Antworten, wir werden mit zu vielen Fragen zurückgelassen.“ Eine Einschätzung, die viele Unternehmer teilten: Mit fast 190 angemeldeten Gästen verbuchten die Veranstalter eine neue Bestmarke.
Auch der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank diagnostizierte eine „Kakofonie der Meinungen“. Seine Analyse viel eindeutiger aus – und wenig optimistisch. Es herrsche eine „explosive Gemengelage“ – politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Kaum hätten so wenige Steine aufeinander gepasst wie derzeit. In den vergangenen zwei Jahren habe es lediglich eine positive Überraschung gegeben: Deutschland.
„Unser Mittelstand ist wahrlich international“, bekräftigte Walter. „Die Unternehmer hätten sich auf fremde Märkte eingestellt, beispielsweise in Mittel- und Osteuropa.“ Bis zum Sommer ging es bergauf, jetzt befinde sich das Land im Abschwung. Es könne nur mit der Qualifizierung von Köpfen und Händen international Kapital schlagen. Hinsichtlich staatlicher Konjunkturprogramme mahnte Walter zur Vorsicht. Solche Pakete könnten nicht nach Belieben aufgelegt werden und das Pulver sei bald verschossen. Die Schuldenbremse beurteilt Walter positiv.
Nach der Lehman-Pleite sei zu viel Geld in die Märkte gepresst worden, zu geringen, nicht nachhaltigen Zinsen. Die globalen Risiken seien unübersehbar, ob politische Krisen, teure Rohstoffe oder die nicht nachhaltigen Strukturen in den Finanzmärkten. „Das Problem sind wir: die alte, westliche Welt mit einer hohen Staatsverschuldung“, verdeutlichte Walter. „Die boomenden Schwellenländer ohne nennenswerte Staatsverschuldung werden weiter stabil wachsen“ Die Konjunktur in der EU schwäche sich ab, Japan sei und bleibe das Sorgenkind. „Wir bewegen uns auf eine protektionistische Welt zu“, befürchtet der Bankökonom. „Das Motto lautet: Rette sich, wer kann.“
In der anschließenden Podiumsdiskussion äußerten sich Prof. Dr. Norbert Walter, Christine Kühlborn Geschäftsleitung Kühlborn Fahrzeuge, Guxhagen), Dr. Heinz-Walter Große (Vorstandsvorsitzender B. Braun Melsungen AG) und HWK-Präsident Heinrich Gringel unter anderem zur Euro-Krise. Thomas Kreutzmann vom Hessischen Rundfunk moderierte.
Bilder: Eckhard Knauff












